Sulzfelder Bildstock

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Kategorie: HISTORIC
Erstellt am Sonntag, 15. Januar 2012 22:05
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 11:46
Geschrieben von J. Riedinger
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Der Sulzfelder Bildstock

Legenden und Geschichten

Recherchiert von Manfred Himmel

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Leider gibt es kein Wissenschaftsgebiet mit dem Titel "Biidstockkunde", was der Sulzfelder Bildstock allerdings verdient hätte, denn er war ein interessantes, geschichtsträchtiges und historisch einmaliges Kieindenkmal.

Deshalb ist es schon seit meiner Jugend ein großes Anliegen, ihn wieder ins Leben zu rufen.

Warum dieser Bildstock dort stand, warum er aufgestellt wurde und welche Legenden und Geschichten in seinem Umfeld und über ihn erzählt werden, war schon immer eine Sulzfelder Kulturlücke, denn darüber hat sich nie jemand ernsthaft Gedanken gemacht, auch wurden in allen veröffentlichen Publikationen immer nur bruchstückhafte Erklärungen abgegeben.

Diese kulturelle Lücke will ich hiermit schließen und zeigen, dass es in Sulzfeld
außer der Ravensburg, dem Amalienhof und dem Gutshof auch noch andere historische Zeugnisse gegeben hat.

Die älteren Sulzfelder kannten ihn lediglich als eine abgebrochene Steinsäule mit Sockel als er noch aufgestellt gewesen war. Jetzt liegt der Rest verwittert, vermost und kurz vor dem totalen Zerfall beim Steinmetzbetrieb Ziegler in der Hinteren Straße und niemand kümmert sich um ihn.

Das ist sehr schade, denn unsere frommen Vorfahren haben diesen Bildstock als Kieindenkmal geachtet, gepflegt, vor ihm gebetet und die vielen Ereignisse, ciie um ihn geschehen sind, mündlich weitererzählt.

Mein Vorhaben, den Sulzfelder Bildstock wieder ins Leben zu rufen, wurde von allen angesprochenen Suizfeldern begrüßt. Bei Vielen sprudelten die Erinnerungen, die Legenden und Geschichten voller Begeisterung geradezu aus ihren heraus. Ihre erzählten Erinnerungen habe ich in diese Niederschrif ergänzend mit einbezogen.

Meine Großmutter Regina Himmel, geb. Ege, hat mir über den Biidstock auf mein vorwitziges Drängen hin verschiedene Ereignisse und das Aussehen des Bildstocks erklärt. Auch hat sie voller Stolz gesagt, dass ihr Großvater Karl Ege, er war Schuhmacher und Gemeinderat, den Bildstock 1820 noch in seiner Vollkommenheit gesehen hat.

 

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Er hat das Aussehen und die Legenden seinen Kindern, darunter auch dem Vater meiner Großmutter erzählt, der wiederum hat es meiner Großmutter weiter erzählt. Ihre Aussagen habe ich ebenfalls in diese Niederschrift mit einbezogen, welche sich durch die befragten Sulzfelder bestätigt hatten. Durch diese vielen mündlichen Weiterverbreitungen sind fehlerhafte Beschreibungen des Aussehenes des Bildstocks, der Legenden und Geschichten nicht auszuschließen. Trotzdem will ich versuchen, alle diese Erzählungen in meiner fabulierenden Art, aus der Sicht einfacher Bauern, Handwerker und Taglöhner festhalten. Eine wichtige Informationsquelle war für mich der Religionsunterricht, wo auch über den Bildstock, seine Legenden und Geschichten gesprochen worden ist.

Der Sulzfeider Bildstock stand an der Straße nach Kürnbach, etwa 35 m von Sulzfeld kommend vor dem alleine stehenden Haus am Rande der linken Fahrbahnseite und etwa 40 m nach den beiden 80 Km/h Geschwindigkeitsbegrenzungsschildern, fast genau vor dem alleine stehenden alten Birnenbaum. Nach diesem ehemaligen Sulzfelder Bildstock hat das alleine stehende Haus, welches 1929 von der Familie Pfefferle erbaut worden ist, sowie das Gewann darum herum den Namen "Bildstock" erhalten.

Um Klarheit zu schaffen muss gesagt werden, dass ein Bildstock kein Kruzifix ist, also kein Kreuz, an dem eine Christusfigur angenagelt ist, sondern ein Bild auf einem Stock. Trotzdem sind auf einem Bildstock fast immer religiöse Bilder zu sehen, denn an einem Bildstockplatz hat sich immer etwas Außergewöhnliches zugetragen.

Durch intensives Nachforschen der vorhandenen Sulzfelder und von Gölsoherschen Publikationen ist teilweise nur durch einen Satz erwähnte Ereignisse oder Beschreibungen die Erkenntnis entstanden, welche zu den nachfolgenden Beschreibungen führte. Zum Beispiel aus dem Buch "Sulzfeld mit Ravensburg" von Theodor Pfefferle der Satz, ,dass im Bildstock ein Erlöserbild vom Heiland aus der Vorreformationszeit" gestanden habe.

Alle Beschreibungen, Zeitangaben, Erzählungen, Legenden und Geschichten sind nicht autorisiert. Sie wurde alle aus öffentlich zugänglichen Büchern, verschiedenen Publikationen, der Bibel und den mündlichen Überlieferungen entnommen.

 


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Laut den verschiedenen Veröffentlichungen wurde der Sulzfeider Bildstock wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert erbaut. Zu dieser Zeit waren die Freiherren von Göler noch nicht die Herren von Sulzfeld und hatten auch noch nicht das Patronatsrecht in der Kirche. Das Patronatsrecht hatte zu dieser Zeit ein Johannes von Hofen, welcher es von dem Bischof von Speyer erhalten hatte. Der Pfarrer unter Johannes von Holen war Heinrich Humbrecht von Dürn, welcher ein Erbe der reichen Eppinger Bürgersfrau Katharina Hügin mit einem Siegel bezeugte. Durch dieses Erbe War die Sulzfelder Kirchengemeinde in der Lage, außer dem Erhalt der Kirche und den Kosten für den Pfarrer, den Sulzfelder Bauern und Handwerkern diesen Bildstock zu finanzieren.

Diese Bildstockaufstellung wird aber durch die Legende mit dem Pfeilschuss in der folgend beschriebenen Art in Frage gestellt. Trotzdem sind mehrere befragte Heimatforscher der Meinung, dass die Version der Bildstockaufsteliung durch Johannes von Hofen die Richtige ist.

Die wenigsten der damaligen Sulzfelder Einwohner konnten lesen oder schreiben, deshalb wurde ihnen eine so genannte Armenbibei übergeben, in welcher sie die Möglichkeit hatten, trotzdem das Wort Gottes in bildhafter Form zu sehen. Diese sehr frommen Bauern und Handwerker aus Sulzfeld hatten sogar das Recht, den Platz der Bildstockaufstellung mit zu bestimmen. Sie entschieden sich vorerst für einen Platz oben am Rohrbacher Weg, der aber von dem Patronatsherrn abgelehnt wurde.

Weil zu dieser Zeit Sulzfeld zu dem Landesdekanat Bretten gehörte, einigte man sich, dass der Bildstock Richtung Kürnbach, etwa 200 m vor der Ortsgrenze aufgestellt wird, weil dieser Platz so schön geschützt und beim Besuch des Brettener Dekans in etwa auf dem Weg lag. Auch war an diesem Platz schon eine Ruhebank auf der gegenüberliegenden Straßenseite vorhanden. Ausschlaggebend war allerdings, dass über diesen Platz schon eh und je außergewöhnliche Kräfte ausgehen sollten. Ebenso war hier mit Sicherheit schon von den Rönnern eine angelegte Nebenstraßenkreuzung, denn die Römer verlegten ihre Verbind ungswege fast immer auf Höhenzügen und ganz selten wie die Wegling nach Zaisenhausen ins Tal.

1441 erhielten die Freiherren Göler von Ravensburg das Patronatsrecht und haben sofort die zu klein gewordene Holzkirche, welche schon auf dem heutigen Platz 300

 



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Jahre lang stand, abgerissen und bauten mit Geldmitteln überwiegend von den Sulzfelder Einwohnem eine neue Kirche, die am 17. März 1443 von dem ersten Patronatsherren Martin von Göler eingeweiht worden ist. Zu dieser haben die Freihenen von Göler von den Sulzfeldern noch keinen Zehnten bekommen, deshalb war die Bedingung der Sulzfelder Geldgeber, dass der Kirchturm so hoch sein muss, dass man diesen von dem heutigen Bildstockplatz aus sehen konnte. In topografischer Hinsicht war das eine gewaltige Höhe, weshalb die Kosten der Kirche aufgestockt werden mussten. Diese Mehrkosten wurden in drei Teilen zwischen dem Kirchendekanat, den Einwohnern und den Freiherren von Göler aufgeteilt.

Das Nachmessen des noch vorhandenen Sockelblocks und der abgebrochenen siebeneckigen Säule hat nach langen Ermittlungen und vielen Fachgesprächen ergeben, dass der ganze Bildstock aus einem Sandsteinblock heraus gearbeitet worden ist.

Auch wurde festgestellt, dass die vorhandenen Maße alte durch die heilige Zahl sieben teilbar sind. Folglich sind auch die Maße des fehlenden Bildstockoberteils mit dem Bildgehäuse alle durch die Zahl sieben teilbar.

Der Sulzfelder Bildstock wurde im romanischen Stil des 13. Jahrhunderts erbaut. Der Sandsteinsockel ist 7 x 8, also  cm2 und 7 x 9, a!so 63 cm hoch.

Der Erbauer hat mit Sicherheit das Maulbronner Kloster gekannt, denn dort sind zum Beispiel in der Klausur und bei den Säulen des Herrenhauses dieselben Sockelsteine vorhanden. Die Lysinen, also die Verbindung vom Socke!stein zur siebeneckigen Säule sind ein spezielles Giiedelement, welches mit 7 cm Höhe eine fließende Verbindung herstellt. Solche Verbindungen findet man nur beim romanischen Baustil. Allerdings sind im Maulbronner Kloster die meistern Säulen, weiche die gotischen Maßwerkfenster stützen, rund.

Die siebeneckige Säule des Sulzfelder Bildstocks war 7 x 4 cm, also 28 cm dick und in der Originallänge war sie 7 x 17 cm, also 119 cm hoch. Das Grundprinzip der siebeneckigen Säule wurde aus zwei religiös historischen Gesichtspunkten abgeleitet. Erstens hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen, zweitens bekam der Apostel Johannes das Buch mit den sieben Siegelns überreicht.


 

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Die gesamte Höhe des Bildstocks einschließlich des Sockelsteins war 7 x 36 cm, als 252 cm. Der Bildstock ragte 7 x 30 cm, also 210 cm aus dem Boden heraus. Der Rest, 7 x 6 cm, also 42 cm, war als Fundament im Boden eingelassen. Das Bildstockgehäuse war außen im Quadrat 7 x 7 cm, also 49 x 49 cm groß. Das Satteldach war von der nicht überstehenden Traufe bis zum Giebel in der Senkrechte gemessen 7 x 3 cm, also 21 cm hoch. Die beiden wasserabführenden schrägen Dachsektionen waren 7 x 4 cm, also 28 cm lang und 7 x 7 cm, also 49 cm tief. Die steigende Karniskehle, welche als Verstärkung für das Bildstockgehäuse diente, war 7 cm hoch. Das eigentliche Bildtafelinnenteil wurde ohne hintere Wand, also hohl ausgearbeitet und war oben, wie in der romanischen Architektur üblich, als Rundbogen mit einem Radius von 7 x 2,5 cm, also 17,5 cm, versehen worden.

Die Biidtafel war innen 7 x 5 cm, also 35 cm breit und bis zum Trau 7 x 4, also 28 cm hoch. Die gesamte Bildtafelinnenhöhe war 7 x 7 cm, also 49 cm. Die eigentliche Bildtafel mit dem plastisch erhabenen Reliefbild, in welchem Jesus in der Mitte am Kreuz als Efiöser, links Maria und rechts der Apostel Johannes dargestellt sind, wurde von hinten in die Form des inneren Bildstockgehäuses eingesetzt. Der Steinhauer, welcher unseren Sulzfelder Bildstock hergestellt hat, war ein Rechenkünstler, ein architektonisch begabter Baumeister und ein frömmer Bibelkenner. Denn ohne diese positiven Eigenschaften hätte er den Bildstook in einer solchen Exaktheit nicht herstellen können.

Das eigentliche Reliefbild wurde von unseren gläubigen Vorfahren wie folgt wahrgenommen:

In der Mitte ist Christus als Erlöser am Kreuz dargestellt, diese Erlösung wird als Hilfe und Heil verstanden und verbindet als Ziel die Befreiung von Schuld, Sünde und der Vollendung im ewigen Leben. Deshalb ist heute noch im Vater unser der Satz "und erlöse uns von dem Bösen" enthalten. Christus wird als Erlöser am Kreuz grundsätzlich mit waagrecht genagelten Händen dargestellt. Die Darstellung am Kruzifix, wo Jesus mit beiden Händen v-förmig an das Kreuz genagelt ist, bedeutet der schmerzende Jesus. Ist er als stehende Person, seine beiden Härlden nach vorne in Richtung Boden ausgebreitet dargestellt, so bedeutet dies der Segnende. Eine solche Christusfigur steht oben über dem Eingang der evangelischsn Kirche. Links von dem gekreuzigten Edöser Jesus steht die trauernde Maria in einem weißen Kleid als zurückfallende, blutlos, fast erstorbene und erstarrte, totenbleiclbleiche Gestalt,


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die Hände gebetsförmig gefaltet. Der Kopf mit geschlossenen Augen ist nach oben zu Jesus gerichtet. Der Gestalter dieser Maria war genau so wie Mathias Grünewald beim Isenheimer Altar im Elsass von der trauernden Maria angetan und übernahm ihre Darstellung in dieser Form. Rechts von Jesus am Kreuz steht der heilige Apostel Johannes in einem roten Gewand und hält das Buch mit den sieben Siegeln aufgeschlagen in seinen Händen.

Unsere frommen Vorfahren haben beim Vorbeigehen am Bildstock, wenn es ihre Zeit erlaubte, den Rosenkranz mit den 53 Vater unser gebetet und dabei die an einer Schnur befestigten 53 weißen Perlen einzeln nach jedem Gebet weiter geführt.

Durch die einmalige schöpferische Besonderheit des Suizfelder Bildstocks, bezogen auf die ermittelten geometrischen siebenfach teilbaren Maße, kam eine Formensprache heraus, weiche sich grundsätzlich auf die Offenbarung des Apostels Johannes bezieht.

Denn in der apokalyptischen Enthüllung der Offenbarung steht: "Als im Himmel beim Öffnen des siebten Siegels der siebte Engel auf der Posaune blies, bekam Jesus von Gott das Buch mit den sieben Siegeln überreicht mit der Bestimmung, es dem Johannes zu übergeben." Johannes musste die darin stehenden Enthüllungen zuerst bei den sieben Gemeinden Pergamon, Thyativa, Sardes, Smyma, Philadelphia, Ephesus und Laodizea, damals Vorderasien, heute Westtürkei, und danach in der ganzen Welt verbreiten.

Seit dieser Zeit wird auch der siebenarmige Leuchter als Verkündungssymbol der Christen verwendet.

Auch hat der Auftraggeber des Bildstocks Johannes von Holen seines Vornamens wegen den Apostel Johannes im Bild mit einbezogen, damit die Bedeutung des Namens "Johannes", was Gott ist gnädig bedeutet, für immer in Erinnerung bleiben soll.

Noch bevor der Sulzfelder Bildstock errichtet wurde, war die Sulzfetder Umgebung schon im 11. Jahrhundert ein gerodetes und von Bauern bearbeitetes Land, auch gab es Handwerker für fast alle Bedarfsgegenstände.

 

 



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In dieser Zeit war auf dem Randhügel des Kruschhalder Gebirgszuges noch keine Burg der Freiherren von Göler. Es stand nur eine von den fränkischen Eroberern erbaute Schutzhütte für Pferd und Reiter, welche auf dem Fundament eines römischen Bauwerkes aufgestellt worden war.

Die Sulzfelder Feld- und Weinbauem sowie die Handwerker hatten ihre einfachen Holzhäuser mit Scheune, Stall oder Werkstatt, meist unter einem Dach, entlang des Kohlbachs zwischen der Seemühle, der Weilergasse und der heutigen Mühlbacher Straße.

Damals schon mussten die Bauern und Handwerker in den Marktstätten rund um Sulzfeld ihre Waren anbieten, tauschen und verkaufen. Dazu musste die Ware zum Beispiels nach Oberderdingen, Knittlingen, Eppingen oder BreËen transportiert werden. Dies mit einem Handwagen zu tun war nicht denkbar, denn die Wege waren für beladene Handwagen zu holprig, bei Nässe zu matschig und mit tiefen Rillen von den Ochsenfuhrwerken versehen.

Deshalb mussten die Waren auf dem Rücken oder auf dem Kopf getragen werden, was natürlich eine körperliche Schinderei war. Dazu wurden zwischen den Ortschaften meist an den wichtigen Verbindungswegen, an Steigungen und an Kreuzungen notwendige Raststätten errichtet. Damals nannte man diese Gruhbänke, welche meistens aus Sandsteinbiockplatten waren. In den weiteren Zeilen nenne ich diese Bänke zeitgemäß nur ~Ruhebänke", denn dies waren sie auch.

An diesen Ruhebãnken konnten die getragenen Lasten ohne sich bis auf den Boden bücken zu müssen abgesetzt und problemlos wieder aufgenommen werden. Meistens wurde an den Ruhebänken nicht nur ausgeruht, sondern auch eine Vesperpause eingelegt.

Auch in Sulzfeld gab es eine solche Ruhebank, welche noch 1960 gegernüber des Bildstocks aufgestellt war.

Diese Ruhebank wurde aus der Sicht der damaligen Bewohner an diesem Platz im12. Jahrhundert aufgestellt, weil die Marktstätten Oberderdingen, Knittlingen und Bretten vor Eppingen bevorzugt wurden. Um zu diesen Marktstätten zu gelangen, war der Weg Richtung Kürnbach vom alten Suizfeld aus gesehen bei der Seemühle und der Weilergasse der geeignete und schnellste Weg. Auch war hier eirne wichtige


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Wegkreuzung, die mit Sicherheit schon von den Römem und den Franken benutzt und angelegt worden war. An dieser Kreuzung wurde entschieden, ob man rechts nach Bretten über Zaisenhausen, Flehingen oder nach Oberderdingen und Knittlingen gehen wollte. Solche Ruhebänke kann man heute noch als so genannte "Möbelstücke in der Landschaft" in folgenden Gemeinden bewundern:

und vielen anderen.

An diesen Ruhebänken wird heute gedankenios vorbei gegangen oder gefahren. Dass diese für unsere Vorfahren eine Raststätte waren, ist den Meisten nicht bekannt und deshalb werden sie als eine bedeutungslose Steinplatte auf zwei Sockelsteinen betrachtet.

Nachfolgend sind die Legenden und Geschichten mit eigenen ÜbersChriftstiteln aufgefühÉ.

Dem Zeitablauf entsprechend wird mit den Ruhebanklegenden angefangen.

 


 

 

Ruhebanklegende plus minus

 

Zeichnung RuhebankEin führender Quacksalber kam auch einmal nach Sulzfeld. Er hatte für alle Gebrechen etwas in seinem Angebot. Er schwatzte Jedem etwas auf, ob es Linderung und Heilung brachte, stellte sich erst heraus, als er wieder fort war. Der Sulzfelder Hafner hat für seine Hände eine Salbe beim Quacksalber gekauft. Dabei klagte der Hafner, dass er seine Gefäße nicht mehr in der hergestellten Menge in Sulzfeld an den Mann bzw. an die Frau bringen kann. Der Quacksalber hat ihm daraufhin den Tipp gegeben, er solle seine !rdenwaren in Knittlingen verkaufen, denn dort verläuft eine sehr stark frequentierte freie und öffentliche Fernstraße von Stuttgart zum Rhein. Da seien auch viele Reisende unterwegs, die mit Sicherheit seine sotiden Töpfereiartikel gebrauchten könnten. Über diesen Tipp hat sich der Hafner sehr gefreut und gab dem Quacksaiber als Dankeschön einige Gefäße, die er brauchen konnte. Acht Tage später ging er mit einem Weidenkorn voller Krüge, Häfen, Schüsseln und Bechern auf seinem Rücken tragend nach Knittlingen los. Oberhalb der Kümbacher HOhl an der Ruhebank machte er seinen ersten Halt, denn er war ein gewissenhafter Mensch und wollte genau wissen, wann er zurückkommt, wie viele Gefäße er verkauft hatte. Heute würde man Buchführung dazu sagen. Deshalb hatte er for jedes Gefäß an der Stimseite der Ruhebank mit einem Stahtsstickel eine senkrechte Ritze eingeritzt, um dann bei der Rückkehr für die übrigen Gefäße einen waagrechten Strich aber den senkrechten zu ritzen. So konnte er genau sehen, wie viele Gefäße er verkauft hatte. Die Ritzen, welche keinen Querritzen haËen, waren die übriggebliebenen Gefäße. Danach packte der Hafner alle seine Gefäße wieder in den Weidenkorbrucksack und ging wie folgt nach Knittlingen:

Dem heutigen Weg nach Kürnbach weiter folgend über das Gewann Assenbach die Steige hinunter. Bei der Kürnbacher Linde ging er rechts an Kürnbach vorrbei, dem Humsterbach entlang Richtung Sickingen bis zur Humstermühle mit kurzem Stopp an der dort ebenfalls aufgestellten Ruhebank. Danach ging er links am Gewann Mühlrain vorbei über den Gaißberg, den Kraichbach überquerend zur Ölmühle mit Stopp an der Ruhebank. Dann rechts am Hagenrain vorbei dem Kraichbach entlang über den Scherzig, rechts am Derdinger Horn vorbei zum Büschleshof mit längerer Rast an der Ruhebank. Danach rechts ab, dem Bernhardsbach folgend bis zum

Altenhof mit letzten Stopp an der Ruhebank. Vor Knittlingen der Weisach entlang bis zum Zentrum von Knittlingen.

In der Marktstraße stellte er sich beim oberen Tor an eine Wandnische, denn dort musste er keine Standgebühr bezahlen. Seine kleineren Gefäße waren schneller verkauft als die größeren, weil die Reisenden nicht soviel Stauraum hatten. Zwei Stunden vor Einbruch der Dunkelheit machte er sich wieder auf den Rückweg, denn für die neun Kilometer brauchte er etwa eineinhalb Stunden. An der Sulzfelder Ruhebank angekommen, legte er seine nicht verkauften Gefäße auf die Ruhebank und machte für die noch vorhandenen Gefäße, wie vorher geplant, einen Querstrich auf den senkrechten Strich. Jetzt konnte er genau abzählen, wie viele Gefäße er verkauft hatte. Zu Hause angekommen empfing ihn seine Frau voller Erwartung, wie viele Gefäße er verkauft hat. Es waren laut seiner exakten Buchführung an der Ruhebank 15 Gefäße. Um diese Menge in Sulzfeid zu verkaufen, hätte er ein Jahr gebraucht.

 



Ruhebanklegende vom zerbrochenen Krug

 

Zeichnung zerbrochener KrugDer für Sulzfeld zuständige Dekan vom Dekanat Bretten besuchte Sulzfeld im 12. Jahrhundert anlässlich der Einweihung der Sulzfelder Dorf'Kirche auf dem jetzigen Kirchplatz und weihte diese Kirche der Jungfrau Maria zu Ehren-ein. Nach der Einweihung wurde dem Dekan bei der öffentlichen Feier ein guter Silvanerwein eingeschenkt. Dieser hatte ihm so gut geschmeckt, dass er nach dem Weinbauer fragte, weichen diesen Wein ausgebaut hatte. Dieser Weinbauer war natürlich auch anwesend und stellte sich dem Dekan vor. Der Dekan wollte alles Wissen, auch wo er den Weinberg habe und wie er den Ausbau gemacht habe. Zum Schluss trafen diese beiden einen Vereinbarung, dass der Weinbauer jeden Monat zwei Suttenkrüge voll von diesem Wein zu ihm ins Dekanat nach Bretten bringen soll. Für das Abliefern des Weins wurde der Preis ausgemacht, den er beim Abliefern bekommen sollte. Auch bekam er noch die Zusage, dass er zu jedem kirchlichen Fest, zum Beispiel bei der ebenfalls bevorstehenden Erweiterungseinweihung der Stiffskirche, zusätzlich den erforderlichen Wein liefern darf.

Jetzt hatte der Sulzfelder Weinbauer ein Problem. Er besaß wohl zwei Suttenkrüge, aber keinen Deckel dazu. Diesen fertigte er sodann aus Holz passend an, so dass er leicht konisch, ca. 2 cm aus dem SuËenkrugloch herausstand. Bei einem seiner Weintransporte nach Bretten ging er nicht wie üblich über Zaisenhausen, sondern über Kürnbach und Oberderdingen. Die Sulzfelder Ruhebank war sein erster Stopp. Er stellte die beiden Krüge voller Wein auf die Bank, als genau zu diesem Zeitpunkt ein Bauer, den er kannte, vorbei kam. Der Bauer bemerkte natürlich, dass in den beiden Suttenkrügen kein Wasser, sondern Wein war. Der Bauer war ein Schlitzohr und bearbeitete den Weinbauem solange, bis er sich bereit erklärte, von dem Wein trinken zu dürfen. Natürlich trank der Weinbauer auch mit. Nach einiger Zeit, als beide leicht angetrunken waren, wollte der Weinbauer mit dem Saufgelage Schluss machen und legte den Holzdeckel in die Öffnung des Kruges. Weil er dern Alkohol zufolge nicht mehr ganz Herr seiner Kräfte war, schlug er mit der Faust sc) stark auf den Deckel, dass der Krug zerbrach. Die Scherben flogen dem Bauern um die Ohren und der restliche Wein lief auf und versickerte im Erdreich. Nach diesem Missgeschick wurde der Weinbauer so wütend, dass er den zweiten, vollen Krug dem Bauern auf den Kopf schlug. Dieser wankte und riss dem Weinbauern den zweiten, nicht zerbrochenen Krug auf den Händen, bevor er auf den Boden fiel. Nach einiger Zeit kam der Bauer wieder zu sich. Der Weinbauer freute sich, dass er ihn nicht totgeschlagen haËe. Jetzt haben sie sich wieder veÉragen und tranken den nicht verschütteten Wein zusammen mit einem vorbeigehenden Zimmermannsgesellen total leer. Danach wankte alle drei nach Sulzfeid.

Der Weinbauer hätte seine Vereinbarung mit dem Dekan von Bretten nicht mehr einhalten können, weshalb diese hinfällig wurde.


 


Bildstocklegende mit dem Pfeilschuss (Erste Version)

 

Zeichnung PfeilschussDer Religionslehrer Eugen Guggolz hatte im Religionsunterricht folgende Version erzählt:

Eberhard von Sternenfels und Georg Göler von Ravensburg bekamen auf der Ravensburg Streit miteinander. Der' Grund des Streites war, weiche von beiden der bessere Schütze sei. Nach dieser Auseinandersetzung verlies Eberhard von Sternenfels die Ravensburg und wollte nach Sternenfels auf seine Burg reiten. Beim Herausreiten aus der Burg rief Georg von Göler ihm zornig nach, "ich beweise Dir, dass ich der bessere Schütze bin und werde Dich auf Deinem Heimritt mit einem Pfeil aus meiner Armbrust treffen."

Eberhard von Sternenfels lachte darüber und schrie zurück: "Du triffst doch nicht einmal aus 10 m Entfernung einen Ochsen." Jetzt wurde Georg von Göler immer wütender und legte sich auf der Burgmauer mit seiner Armbrust auf die Lauer bis Eberhard von Sternenfels frei reitend an der Ruhebank oberhalb der Kürnbacher Hohl zu sehen war. Jetzt spannte Georg von Göler seinen Armbrustbogen und überlegte kurz, dass er den Pfeilschuss nicht im direkten Visier abschießen muss, sondern nach oben haltend, weil der Pfeil auf diese Entfernung zum Schluss durch die Schwerkraft nach unten fällt. Der Pfeil fiel ca. 100 m vor der Ruhebank auf einen Acker. Schnell spannte er wieder seine Armbrust und wusste jetzt, das$ er noch höher halten musste. Siehe da, der Pfeil traf Eberhard von Sternenfels in die linke Seite, woraufhin er vom Pferd stürzte und den Pfeil noch aus seinem Körper herausziehen konnte. Durch die inneren Blutungen war Eberhard von Stemenfels noch nicht gleich tot und wälzte sich am Boden hin und her. Als Georg 'von Göler sah, dass Eberhard von Sternenfets zu Boden fiel, ritt er so schnell er konnte zum Ruhebankplatz. Als er ankam lebte Eberhard von Sternenfels noch. Nach Luft schnappend gratulierte, danach verstarb er vor den Augen von Georg von Göler.

Die ganzen gölerschen Verwandten haben daraufhin Georg von Göler als besten Schützen in ihren Reihen gekürt und ihm empfohlen, einen Erinnerungsbildstock auf dem Platz des Treffens zu erstellen.

Die Größe und die Form des Bildstocks wurde wie beschrieben aufgestellt, nur dass wie bei der zweiten Version nicht Eberhard von Sternenfetls, sondern Georg von Göler vom gekrönten auferstandenen Heiland gesegnet wird.

Diese Legendenversion wurde von mehreren Heimatforschern und von Frau Rosana Schrader, geb. von Göler als nicht vorgefallen vemeint und abgetan.

 




Bildstocklegende mit dem Pfeilschuss (Zweite Version)


Bei einem Angriff von Heeressoldaten auf Sulzfeld und auf die Ravensburg haben sich Georg von Göler mit seinem Freund und Mitkämpfer Eberhard von Stemenfels 1486 in der damaligen Gartenanlage oberhalb des heutigen Schlosses Amalienhof in einem Gartenhäuschen verschanzt und abgewartet, bis der gegnerische Soldatentrupp in einer freien Sichtweite vorbei geriËen kam. Jetzt hatte Eberhard von Sternenfels voller Stolz seine neu entwickelten Seilwindenarmbrust gespannt, auf den Anführer der Truppe gezielt und abgeschossen. Eberhard von Sternenfels und Georg von Göler waren erstaunt, dass der Pfeil auf die verhältnismäßig große Entfernung den Befehlshaber der Truppe tödlich in die Brust getroffen hatte.

Nach diesem völlig überraschenden Tod ihres Befehlshabers waren die Heeressoldaten geschockt und hatten Angst, in Sulzfeld einzumarschieren. Deshalb machten sie einen großen Bogen um Sulzfeld und die Ravensburg und zogen weiter nach Eppingen. Einige Tage nach diesem Wunderschuss hatte sein Freund und Mitkämpfer Georg von Göler, welcher zu dieser Zeit Chorherr in Speyer war, als Erinnerung an dieses segensreiche Ereignis den beschriebenen Biidstock gegenüber der Ruhebank errichten lassen, im Mai 1486 wurde mit einer Prozession, beginnend an der neu errichteten Kapelle bei der Seemühle, angeführt von Chorherrn MaÉin von Göler der Bildstock feierlich eingeweiht.

Jetzt wurde Eberhard von Sternenfels für seinen Wunderschuss von seinem Freund Georg von Göler in einer Ansprache als Held und Retter von Sulzfeid geehrt, denn dieser Wunderschuss wurde von Gottes Hand geführt. Weil 7-u dieser Vorreformationszeit alle Adligen, alle Bauern und alle Handwerker katholisch und sehr fromm waren, wurde so ein Wunderschuss als von Gott geführt angesehen. Der Bildstock wurde ebenfalls wegen der heiligen Zahl sieben und weil Gott dl ie Welt in sieben Tagen erschaffen hat, genau wie vorher beschrieben, hergestellt. Nur das Bild selbst zeigte den gekrönten Auferstandenen als er mit dem Kreuz in der linken Hans aus dem Grab emporsteigt und mit der rechten Hand Eberhard von S;'temenfels für seinen Wunderschuss als Heil- und Glücksbringer segnet.

Diese Legendenversion wurde von den Heimatforschern und von Frau Rosana Schrader, geb. von Göler als eher glaubwürdig angesehen. Allerdings geh-t und ging

bei allen Angesprochenen mehr die Tendenz zu der Bildstockaufstellung durch die Kirchengemeinde Sulzfeld mit dem Patronatsherm Johannes von Holen wie am Anfang beschrieben.

Weil das Motiv des Bildes noch aus der Vorreformationszeit stammte, wurde es nach 1550 von den reformierten Sulzfeldem einschließlich fast aller Freiherren von Göler nicht mit der notwendigen Sorgfalt behandelt und dem Zerfall durch Wind und Wetter preisgegeben.

 


 

Bildstocklegende mit Melanchthon

 

Philipp Melanchthon, welcher an der Seite Martin Luthers die Reformation in Deutschland eingeführt hat, besuchte 1524 seine Gebußsstadt Bretten. Weil Melanchthon wusste, dass 1522 Bernhard von Göler als Erster im Kraichgau die Reformation in Su[zfeld eingeführt hatte, musste er ihn besuchen. Bei dieser Reise von Bretten nach Su{zfeld kam er auch an unserem Bildstock vorbei und hat angehalten. Er wollte genau wissen, warum dieser Bildstock hier steht. In seiner humanitären Einstellung achtete und akzeptierte er die vorgetragenen Gründe und den Anlass der Aufstellung 38 Jahre vorbei.

Weil ihm als Kind der Erbauer des Bildstocks Georg von Göler als Vogt von Bretten noch in Erinnerung war, hat er mit dessen Onkel Bernhard von Göler auch über diesen Bildstock gesprochen und ihm erklärt, dass sich nach seiner Auffassung alle Geschehnisse nach göttlicher Vorherbestimmung ereignen, so auch der Wunderschuss des Eberhard von Sternenfels. Philipp Metanchthon hat deshalb die Bildstockaufstellung als Gedenken und ständige Erinnerung der vorbeigehenden Personen voll und ganz befürwortet.


Bildstocklegende mit Duell


Zwei junge, grundbesitzerbende adlige Cousins aus dem Stamm der Göler von Ravensburg, damals Junkersvetter genannt, haben sich 1598 diesen heiligen Bildstockplatz ausgesucht, um sich zu duellieren. Der Grund war eine hübsche Adlige aus dem Stamm derer von Menzingen, welche beide begehrten. Weil die beiden Junker gleich grob, gleich alt und gleich flink waren, sind fast alle ihre Säbelhiebe vom Gegner abgefangen worden. Nach einer halben Stunde intensiven Säbelfechtens hatte der eine nur eine Schramme im Gesicht, der andere am linken Oberarm eine Schürfung abbekommen.

Jetzt stellte sich das Objekt der Begierde, die hübsche Adlige aus Mienzingen zwischen die beiden Kontrahenten und pochte darauf, dass eine GeschicklichkeitsprQfung die Entscheidung herbeiführen solle. So wurde an der höchsten Stelle des sattelförmigen Biidstockdaches hochkant ein mit Speichel benetztes Haferkorn aufgestellt. Jeder hatte drei Säbelhiebe. Derjenige, welcher nur das Korn und nicht das Steindach am meisten traf, durfte die Adlige von Menzigen zur Braut nehmen. Wahrscheinlich war der Sieger Engelhard von Göler, welche am 17. November 1603 seine hübsche Braut Anna Maria von Menzigen heiratete. Sie bekamen sieben Kinder.

Als Erinnerung wurde für beide von ihren Kindern der große Renaissancewandepitaph in der evangelischen Kirche rechts vom Altar, diesem zugewandt, aufgestellt.

Zeichnung Duell


Biidstockplatzlegende vom 30-iährigen Krieg


Am 06.Mai 1629, mitten im 30-jährigen Krieg, wurden schwedische Landsknechte, die nach Nördlingen Wollten, hier an diesem Bildstockplatz von den bayrischen Besatzern unter der Führung von Herzog Maximilian I. überfallen. Unser damaliger Bürgermeister Friedrich Kärcher hat die Schlacht miterlebt und wie folgt beschrieben:

Die Bayem hatten ganz Sulzfeld besetzt. Als die Kunde von den heranrückenden Schweden aus Richtung Kümbach kam, verschanzten sich die Bayern in dem kleinen Wald beim Bildstock, denn der war sehr dicht bewachsen und nicht als Hinterhalt von den Schweden angesehen worden. Als die Schweden vor dem Wald auftauchten, wurden sie ohne Vorwarnung von den Bayern überfallen. Die vielen Toten, die es bei dieser Schlacht auf Seiten der Schweden gab, wurden alle im Umfeld des Bildstocks begraben.

Der damalige Sulzfelder Pfarrer Johann Wolfgang Rabus hat 1638 als erster Pfarrer Kirchenbücher geschrieben. Eine seiner ersten Eintragungen war ein Bericht über diese Schlacht, leider wurden seine Aufzeichnungen von den durchziehenden Franzosen teilweise 1693 vernichtet.



Bildstocklegende mit Überfall


Im pfälzischen Erbfolgekrieg haben 1693 die Franzosen auf ihrem Marsch nach Heilbronn des kaiserlichen Regiments, welches zwischen Sulzfeld und Kürnbach aufgestellt worden war, nach tagelangen Gerechten durchbrochen.

Die beiden Sulzfeider Freischärler Engelhard Edel und sein Freund Friedrich Förster haben diesen Gefecht aus dem sicheren Wäldchen beim Bildstock mit verfolgt. Sie wollten die Franzosen davon abhalten, in Sulzfeld einzufallen und haben in ihrem jugendlichen freiheitsliebenden Übermut die beiden ersten napoleonischen Krieger, welche am Bildstock vorbeigeritten sind, überfallen und getötet. Da aber die Franzosen mit ihren Söldnern in der Übermacht waren, mussten Edel und Förster das Wäldchen am Bildstock fluchtartig in Richtung Hägenichwald verlassen. Gott sei Dank haben beide ohne verfolgt zu werden, den sicheren Hägenichwald erreicht und haben sich tagelang dort versteckt.

Die Franzosen haben trotzdem Sulzfeld besetzt, waren aber jetzt sehr vorsichtig, um nicht noch einmal von Freischärlern überfallen zu werden. Die Sulzfelder mussten an die Franzosen Lebensmittel und Wein sowie Heu und Gras für ihre Pferde abliefern. Mitgenommen oder zerschlagen wurden Ofen, Möbel und Hausgeräte. Des Weiteren wurden die nicht versteckten Kirchen- und Rathausbücher teilweise vernichtet.

Im Jahre 1697 wurde Engelhard Edel als unerschrockener Freiheitskärnpfer zum Bürgermeister gewählt.

 

 


 

Bildstocklegende mit Schutzmaßnahme


Dem Obristenleutnant und Vizekommandanten von Heidelberg, Fritz Freiherr Gbler von Ravensburg, der in Sulzfeld seinen Wohnsitz hatte, ist es zu verdanken, dass der Bildstock von den evangelisch-reformieÉen Göler und den Sulzfelder Bürgern nicht schon vor 1760 zerstört wurde. Denn Fritz von Göler war der einzige Göler, welcher sich nicht reformieren ließ und katholisch geblieben ist. Er hatte deshalb des Öfteren seine evangelischen Verwandten gebeten, nicht alles, was noch von der katholischen Zeit übrig geblieben ist, zu verachten und zu zerstören, so zum Beispiel auch den Bildstock, welcher doch von Georg von Göler als Erinnerung an den Rettungsschuss für Sulzfeld und die Ravensburg durch Eberhard von Sternenfels errichtet worden war. Auch hatte er immer wieder die Aussage Melanchthons erwähnt, weicher die Aufstellung des Bildstocks akzeptierte.

Als Fritz von Göler 1759 eine katholische Kapelle neben seinem Haus im Garten unterm Schloss erbauen lies, musste er durch den Bischof von Speyer, Franz Christoph von Hut-ten, die Bauerlaubnis einholen. Als Bedingung für diese Bauerlaubnis musste Fritz von Göler den Sulzfelder Bildstock als Verantwortlicher in gutem Zustand erhalten und ihn vor den Reformierten schützen. Nach jedem katholischen Gottesdienst in seiner Kapelle, welche nicht öffentlich stattfinden durfte, ist er zum Bildstock gegangen und hat nach dem Rechten gesehen. Anschließend hat er in einem Gebet die Hoffnung einbezogen, es mögen die Evangelisch en diesen einmaligen Sulzfelder Biidstock nicht zerstören.


Der Biidstockplatz als Liebeslaube


1841, sieben Jahre vor dem Ausbruch der Revolution, herrschte in Sulzfeld eine große Armut unter den Bürgern. Der Grund waren die vielen vorangegangenen Kriege und unverschämt hohe Abgaben an die Freiherren von Göler. Weil aber in Zaisenhausen und Kümbach die Freiherren Göler fast keinen Grundbesitz hatten, konnten die Freiherren von Göler dort keine Abgaben verlangen. Dadurch waren die Einwohner wesentlich wohlhabender als die Sulzfelder Bürger. Aus diesem Grund haben viele Sulzfelder zu dieser Zeit Zaisenhausen oder Kürnbacher geheiratet. So auch Johann Jakob Deutsch, der trotzdem, dass er herrschafflicher Hausgott der Freiherren von Göler war, die Susanne Kögel aus Zaisenhausen heiratete. Am 01.01.1820 wurde das erste Kind Katharina Elisabeth Deutsch geboren, welche 18-jährig mit Johann GotUieb Steiner aus Kümbach fast täglich am Bildstockplatz en Stelldichein hatte. Für beide war dieser heilige Platz mit dem kleinen Wäldchen dahinter eine heimliche Liebeslaube abseits von beiden Elternteilen.

Die Hochzeit der Beiden war am 15.08.1841 in Sulzfeld bei Pfarrer Wilhelm Wirth, der 1846 an der Nervenfieberkrankheit überraschend acht Tage vor seiner Frau verstorben ist. In den folgenden Jahren haben Katharina, geb. Deutsch und der Kürnbacher Johann GotUieb Steiner, die in Sulzfeld ihren Wohnsitz hatten, deshalb zwölf Kinder geboren, weil sie sich ihr Ja-Wort am Bildstockplatz gegeben haben.


Bildstockoberteil Zerstörung


Der Sulzfelder Almwirt Karl Haas war 1848 der Anführer einer Revolution gegen die Grundherren von Göler. Auch hatte er die Bürgerwehr zur Meuterei gegen die badisch großherzogliche Regierung aufgefordert. Im März 1848 zogen 20 Sulzfelder zum Neu hof, schlugen Alles kurz und klein und entwendeten dem verhassten Rentamtmann Weiß, der im Neuhof sein Büro hatte, den Wein.

Am 04. April 1848 zogen etwa 100 Sulzfelder Revoluzzer in den Amalienhof und zerstörten alle Kutschen der Freiherren von Göler. Sodann drangen sie in den Schlosskeller ein, tranken den Wein und ließen den Rest auslaufen. Jetzt gingen einige von ihnen in ihrer Trunkenheit zum Bildstock, schlugen das Bildstockgehäuse von der Säule und zerschlugen es.

Weil der Bildstock einen religiösen Ursprung hat, war er einigen von ihnen schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Da er frei zugänglich war, ließen sie ihre Zerstörungswut an ihm aus, denn sie konnten in ihrer hasserfüllten Denkweise nichts damit anfangen.

Fast alle Revoluzzer wurden festgenommen und zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Der Anführer Karl Haas und weitere zehn schuldige Revoluzzer flohen vor der Verurteilung nach Amerika.

Dem damaligen humanen Bürgermeister David Pfefferle und seinen Akzisor Teutsch ist es zu verdanken, dass viele Verurteilte vorzeitig aus der Haft entlassen wurden.


Die Ruhebank des Steinkiopfers Glücksfall


Der Kürnbacher Hohlweg hat sich im Laufe der Jahrhunderte durch ständiges Begehen, Befahren und durch Wasserabläufe immer tiefer in die Keuperschicht eingeschnitten. Der Wegboden war bis ins 19. Jahrhundert ein unbefestigter, iößhaltiger Erdweg, welcher sich bei Nässe in eine Schmierseifenbahn verwandelte. Die Ochsen- und Kuhfuhrwerke haben durch ihre schmalen Eisenräder und beim AbwäÉsfahren durch das Bremsen mit Eisenketten die Vertiefungsrillen fast täglich vergrößert. Deshalb wurden schon im 18. Jahrhundert Wegwarte eingestellt, weiche mit ihren zweiräddgen Handwagen in den Steinbrüchen Sandsteinsplitt holten und damit die Rillen notdürftig ausfüllten. Dies hat aber immer nur solange gehalten, bis der nächste Regen und das nächste Fuhrwerk kam und alles wieder riilenförmig vertiefte. Diesem ständigen provisorischen Ausbessern musste schnellstens Abhilfe geschaffen werden, denn der Verkehr Richtung Kümbach mit Fahrzeugen nahm ständig zu.

1875 wurde der Kürnbacher, der Mühlbacher und der Rohrweg sowie die Wegling nach Zaisenhausen zu Kreisstraßen ernannt und dem Amtsbezirk Eppingen unterstellt. Lediglich der breite Weg nach Ochsenburg blieb Gemeindeweg. Für diese fünf Ausfallstraßen musste je ein WegwaÉ eingestellt werden. Es wurcle endlich beschlossen, auch die Straße nach Kürnbach mit Kalksandsteinen aus Richen durch rein klopfen zu befestigen.

Deshalb kamen auf den Wegwart des Kürnbacher Weges auf einmal ganz neue Aufgaben zu. Er musste die Kalksandsteine, welche die Steinbauem aus Richen geholt und abgeladen hatten, zu Raummetern dem Weg entlang aufsetzen. Jetzt kamen die Steinklopfer, meist arme Taglöhner und steigerten pro Tag ein oder zwei Raummeter. Es bekam immer derjenige den Zuschlag, wenn kein anderer einen billigeren Preis machte.

Die Steinklopfer brauchten einen stahlgehärteten Hammer, einen Zerrschlaghammer und einen Zerkleinerungshammer. Mit diesen verschiedenen Hämmern bearbeiteten sie die Steine und klopften diese nebeneinander in den vorher eingeebneten Straßenunterboden ein. Die Steinklopfer bekamen immer erst ihren ersteigerten Verdienst, wenn meistens am Abend ein kompletter Raummeter verlegt war.




Der Bildstockplatz und die Schule


Als 1896 das neue Schulhaus Hauptstraße 41 bezogen wurde, hat sich der Schulunterricht erheblich verbessert. Meine Tante Rosa wurde 1895 mit 72 Schulanfängern noch in die alte Schule eingeschult, 1896 wurde ihre Klasse halbiert, weil in der neuen Schule mehr Klassenzimmer und mehr Lehrer vorhanden waren. Durch die kleinen Klassen wurde jetzt an schönen Tagen informationsspaziergänge um Sulzfelder herum vorgenommen. Diese Spaziergänge waren aber keine Vergnügungen, denn an jeder wichtigen Stelle wurde vom Lehrer etwas erklärt, meistens waren das Höhenangaben, Flurnamen, Baum- und Feldfruchterklärungen. Einmal pro Jahr wurde auch Richtung Kümbach gegangen. Unwillkürlich kam dann die Schulklasse auch am Bildstockptatz vorbei. Je nach Ausbildung, politischer und religiöser Einstellung des Lehrers hat er den Kindern erklärt, wie der Bildstock ausgesehen hatte und mit Vorliebe die Legende mit dem Pfeilschuss von der Ravensburg aus vorgetragen. Auch wurde der Zweck von der damals noch stehenden Ruhebank erklärt und dass dies auch eine Liebeslaube war.

Am nächsten Schultag mussten die Kinder dann einen Aufsatz hauptsächlich über den Bi.ldstock schreiben. Einige Schüler haben wie üblich beim Vortrag des Lehrers am Bildstock nicht richtig aufgepasst und hatten Vieles, was der Lehrer gesagt hatte, verdreht und Einiges dazu gedichtet. Aus diesen verdrehten Aufsatzgeschichten sind dann die vielen Legenden und Geschichten entstanden, über die ich schon vorher berichtet habe. Die Geschichte, in der der Biidstockruhebankplatz als Liebeslaube diente, wurde von den jungen Mädchen, unter anderem auch von meiner Tante Rosa, am liebsten aufgeschrieben, weil dies ihrer Vorstellungskraft am nächsten kam.

 


 

Meine Erlebnisse im Bildstockumfeld


1952 als ich das erste Mal mit meiner Mutter in Richtung Kürnbach ging, um auf unserem Acker oberhalb vom Bildstockgebäude der Pfefferles Kartoffel zu ernten, sind des Öfteren auch Knochenreste zum Vorschein gekommen. Meine Mutter wollte diese Knochen vor mir verbergen. Ich habe diese aber trotzdem gesehen und sie gefragt, was das für Knochen sind. Sie hat mir gesagt, dass hier vor einem Jahr wahrscheinlich ein Reh oder ein Wildschwein verendete. Dies meinte sie ernst und hat nie daran gedacht, dass dies vielleicht auch Menschenknochen sein könnten. Diese Sache wurde von mir vergessen, bis mir vor Kurzem jemand sagte, dass die jetzigen Besitzer des Ackers heute noch Knochenreste zu Tage fördern. Nach meiner heutigen Kenntnis stammen diese Knochenfunde wahrscheinlich von den Soldaten, die beim Kämpfen im Umfeld des Bildstocks zu Tode kamen und hier begraben worden sind. Dann wäre dieser Acker frühe einmal ein Soldatenfriedhof gewesen, was nicht auszuschließen ist. Denn auch Theodor Pfefferle hat bei seiner Bildstockbeschreibung auf zwei Kriege hingewiesen, welche hier stattgefunden haben sollen. Dabei gab es viele Tote, die im Umfeld des Biidstocks begraben sein sollen. Abgeleitet davon habe ich bei den Legenden vom 30-jährigen Krieg und von dem Überfall je eine Abhandlung weiter vorne niedergeschrieben.

Die Kartoffelernte zog sich in meinen Herbstferien über einige Tage hin, wobei wir natürlich auch direkt am Bildstock vorbei kamen. Zu dieser Zeit war noch der untere Steinsockel vollständig und fast gerade gestanden. Darauf war die siebeneckige Säule schräg nach rechts hängend in der abgebrochenen Version zu sehen.

Auch lagen kleinere und größere bearbeitete Sandsteinbrocken um derl Bildstock herum, welche von dem oberen Gehäuse des Rundbogens stammen mussten, denn sie hatte alle die gleichen Rundungen. Beim Nach Hause gehen drängte ich meine Mutter am Bildstock stehen zu bleiben. Dabei bemerkte ich die gegenüber stehende Ruhebank und wollte wissen, warum die hier steht. Sie hat mir erklärt, dass diese Bank zum Absetzen von Lasen benutzt worden war. Jetzt steckte ich~ von den Steinbrocken einige in meine Hosentasche, was meiner Mutter gar nicht g~fallen hat. Am nächsten Tag zeigte ich diese Steine meinen Freunden und sagte, dass die vom Bildstock stammen. Einige haben sich sofort aufgemacht, um auch solche Reliquiensteine zu holen. Ein paar Tage später waren alle schönen Steine verschwunden. In den Jahren 19ö0 - 1980 wurde von den Sulzfelder Heimatfreunden versucht, den Bildstocksockel und die Säule mit Kleber und Beton vor dem Zerfall zu retten. 1962 geschah an unserem Bildst0ckacker etwas Außergewöhnliches. Beim Weizeneineggen ist mir unsere Kuh kurz vor der Straßenböschung ausgetreten. Ich versuchte, dies zu beheben, indem ich der Kuh ständig mit der Geißel auf ihr Hinterteil schlug und mit meinem rechten Fuß den Strang aus ihren Kurven heraus zu bekommen. Weil sie dadurch nervös wurde, stürzte sie die Böschung hinunter. Gott sei Dank sind die Stränge gerissen und die Egge blieb oben stecken, aber die Kuh lag mit den Füßen nach oben im Straßengraben und hatte beiden Hörner gebrochen. Die Bildstock Pfefferles halfen uns, die Kuh wieder auf die Füße zu stellen, was durch Herumgehebeie mit Ackerbückel mit Gerätestielen und mit starken Holzbohlen nach einer Stunde auch gelang. Als die Kuh ohne etwas gebrochen zu haben wieder auf den Beinen stand, gingen wir nach Hause.

Wenn die Kuh ihre Beine gebrochen hätte, wären wir an einer Notschlachtung an OB und Stelle nicht herumgekommen. Dies wäre ein fast nicht zu bewerksteiligendes Vorhanden geworden.

Zum GI0ck im Unglück ist dies nicht geschehen. Im Gegenteil, zwei Wochen später gebar die Kuh ein gesundes Kalb.

Nach meiner heutigen Einschätzung mussten wir mehrere Schutzengel gehabt haben, welche die schrecklichen Ereignisse vom Bildstockumfeid damit wettgemaoht haben.


Schlussbemerkung


Mit dieser Niederschrift möchte ich erreichten, dass auch in Sulzfeld ein Umdenken für geschichtsträchtige Zeugen der Vergangenheit vorangetrieben wird.
Wenigstens eine kleine  Erinnerungsinformationstafel, eventuell an der
Feldwegkreuzungssackgasse gegenüber dem Bildstockgebäude oder auf dem Rathausvorplatz wäre schon ein großer Fortschritt und ein Anfang, unsere Sulzfelder Vergangenheit in die heutige Zeit hinüber zu bringen. Man sollte sich ein Beispiel an Mühlbach nehmen, wo ein ähnlicher, wesentlich größerer Bildstock sogar neu hergestellt und etwa am alten Standplatz, geschützt in einer Parkanlage, aufgestellt worden ist.

 

Manfred Himmel


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